Das Haus der Buchdrucker

Das Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker wurde von 1924 bis 1926 errichtet. Der Bau, von der damaligen Kritik als „vorbildliche Leistung“ und „hervorragendes Beispiel einer neuen Architektur“ gerühmt, ist ein glänzender Beweis für die wesentliche Rolle, die Gewerkschaften als bewusste Förderer der Architektur-Avantgarde in der Weimarer Republik inne hatten. Das Haus ist, abgesehen von den Jahren der Naziherrschaft und der Besetzung durch sie, immer im Eigentum der Druckgewerkschaften gewesen. Mit der Gründung von ver.di ist es in den Besitz der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft übergegangen.

Haus der Buchdrucker

Aus der Geschichte des Hauses

Seine Erbauer

Im Juni 1920, auf der 10. Generalversammlung des Verbandes der Deutschen Buchdrucker, wurde ein Antrag angenommen, der den Vorstand beauftragte, „die Errichtung oder Erwerbung eines Verbandshauses zur Unterbringung und Zusammenfassung des Verbandsvorstandes, der Korrespondent-Redaktion, der Zentralkommissionen der Sparten, des Bildungsverbandes, der Redaktion des Jungbuchdruckers, der Geschäftsstelle des Graphischen Bundes, oder des späteren Graphischen Industrieverbandes ins Auge zu fassen…. Wenn wir den graphischen Industrieverband schaffen wollen, müssen wir auch ein Haus haben, worin wir uns zusammenfinden können“.

Faksimilie Korrespondent

Es sollte noch 4 Jahre dauern, bis der Vorstand im Mai 1924 beschloss, den Kaufvertrag für ein Grundstück in der damaligen Dreibundstr. 5 zu unterzeichnen. Als „Anschubfinanzierung“ sollte erst einmal für zwei Monate ein Extrabeitrag von einer Mark von allen Mitgliedern erhoben werden. Im Sommer wurden Max Taut und Franz Hoffmann beauftragt, Entwürfe für das neue Verbandshaus zu erstellen. Die beiden Architekten hatten sich einen guten Ruf bei den Gewerkschaften mit dem Bau für den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund in der Wallstraße erworben.

Auf dem Verbandstag im September 1924 wurden die Entwürfe und ein Modell des Hauses vorgestellt. Es gab heftige Debatten insbesondere wegen der Finanzierung. „In der Provinz wird man uns Vorwürfe machen, daß die Berliner Kollegen ein Haus haben, das die Kollegen im Reich bezahlen müssen.“ Ein anderer forderte, wichtiger als Gelder für den Hausbau zu sammeln sei es “Pflichtbeiträge zur Schaffung eines Kampffonds zu erheben“.

Am Ende wurde bei nur vier Gegenstimmen ein Antrag angenommen, der lautete: „Zur Deckung der Kosten des Verbandshauses wird beantragt, den Beitrag um 20 Pf. zu erhöhen. Das eingehende Geld wird vom Verbandsvorstand nach Deckung in einem Kampffonds zurückgelegt.“

Das Publikations- und Bildungszentrum

Das Verbandshaus der deutschen Buchdrucker in Berlin Kreuzberg
Das Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker
Foto: Jörg Zägel, CC BY-SA 3.0,
via Wikimedia Common

Das Haus war die Publikationszentrale des Buchdruckerverbandes. Der „Korrespondent“, die zentrale Zeitung des Verbandes erschien zweimal wöchentlich mit einer Auflage von 60 Tausend. Der „Jungbuchdrucker“ erschien gleichfalls zweimal wöchentlich mit einer Auflage von 10 Tausend. Daneben gab es kontinuierliche Beilagen für Betriebsrätepraxis, Sozialpolitik und Bürgerliches Recht. Die Sparten des Verbandes gaben periodische Publikationen für Setzer, Korrektoren, Drucker, Stereotypeure und Galvanoplastiker heraus.

Die Büchergilde Gutenberg, gleichfalls ein Kind des Buchdruckerverbands, begann in dem modernen Gebäude mit einer avantgardistischen Buchproduktion. Junge Grafiker und erfahrene Gestalter entwickelten hier eine neue Buchkunst und setzten mit Gestaltungen im Sinne der Neuen Sachlichkeit Maßstäbe weit über die Grenzen der Büchergilde hinaus.

Die Druckwerkstätten beschäftigten rund 100 Personen. Sie verfügten über eine vorbildliche Lehrwerkstatt, und galten von den Räumlichkeiten und den sozialen Einrichtungen her als Musterbetrieb. Dabei war der Betrieb mit laufenden Umsatzsteigerungen auch wirtschaftlich erfolgreich. Der Bildungsverband hatte 23 Tausend Mitglieder und beschäftigte im Buchdruckerhaus 36 Personen. Er gab monatlich die „Typographischen Mitteilungen“ und „Der Graphische Betrieb“ heraus und leistete mit Literatur, Diavorträgen, Filmen und der Einrichtung einer Lichtbildstelle einen umfangreichen Beitrag zur Lehrlingsausbildung und Erwachsenenqualifizierung. Im Erdgeschoß richtete er den „Buchgewerbesaal“ ein, um mit wechselnden Ausstellungen „der Kollegenschaft ständig zur Anschauung, Belehrung und Fortbildung zu dienen“.

2. Mai 1933

Die Eroberung der Macht durch die Nazis im Januar 1933 und die Besetzung der Gewerkschaftshäuser am 2. Mai 1933, bedeuteten das Ende der freien Gewerkschaften in Deutschland. Das Vermögen auch des Buchdruckerverbandes wurde beschlagnahmt, seine Einrichtungen zerschlagen oder inhaltlich völlig gewendet, Kollegen entlassen, verhaftet und umgebracht.

Heute

Seit Kriegsende ist das Haus wieder ununterbrochen in Gewerkschaftsbesitz, erst bei der IG Druck und Papier, seit 1989 bei der IG Medien und heute in ver.di. Dank weitreichender Investitionen zur Erhaltung und Instandsetzung einerseits und dank seiner Offenheit für Gewerkschaftsmitglieder und ihre Freunde andererseits, präsentiert sich das Haus der Buchdrucker heute als sowohl traditionsreiches wie äußerst lebendiges und zukunftsorientiertes Gewerkschaftshaus. Der ehemalige Buchgewerbesaal war bis 2024 die MedienGalerie, die weiterhin „der Kollegenschaft ständig zur Anschauung, Belehrung und Fortbildung“ diente.


Die Architekten des Hauses

Büste Richard Härtels von Rudolf Belling
Büste Richard Härtels
von Rudolf Belling

Max Taut (1884-1967) war wie sein Bruder Bruno Mitglied im „Kreis der Zehn“, ein Zusammenschluß von so angesehenen Architekten wie Mies van der Rohe, Walter Gropius und Erich Mendelsohn. Alle waren Vertreter der „Neuen Sachlichkeit“. Franz Hoffmann (1884-1951) arbeitete mit beiden Brüdern Taut zusammen und war bei vielen ihrer Projekte der kongeniale Bauleiter, Organisator und Aquisiteur.

Sein Bildhauer

Rudolf Belling (1886–1972) war 1918 Mitbegründer der Künstlervereinigung „Novembergruppe“, die für ein grundlegend neues Verhältnis zwischen Künstler, Staat und Gesellschaft eintrat. Er galt wie Max Taut als Meister der Neuen Sachlichkeit und zählte in der Weimarer Republik international zu den renomiertesten deutschen Bildhauern. Die plastische Ausgestaltung im Verbandshaus der Buchdrucker – das in die Wand eingelassene Buchdruckerwappen, ein Trinkbrunnen vor dem Sitzungssaal, und die Büste von Richard Härtel, einem der Verbandsgründer – war sein Werk. Von den Nazis als „entartet“ gebrandmarkt, wurden fast alle seiner Arbeiten zerstört, auch die im Buchdruckerhaus. Lediglich die Büste Richard Härtels konnte, im Haus versteckt, vor den Nazis gerettet werden.


Publikationen

Berlin 2000
Gearbeitet – Gewerkschaftet – Gewohnt
75 Jahre Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker
Industriegewerkschaft Medien Druck und Papier, Publizistik und Kunst

Die Karl-Richter-Edition

Band 1 – Mai 2008
Karl Richter – Ein Leben für die Schwarze Kunst und ihre Gewerkschaften
Gerta Stecher zeichnet Leben und Wirken des Namensgebers der Edition, des langjährigen Vorsitzenden der IG Druck und Papier in Berlin, Karl Richter, nach.

Band 2 – März 2008
Kurt Müller – Ein kritischer Kämpfer für eine gerechte Welt
Susanne Stracke-Neumann würdigt anlässlich seines zehnten Todestages den ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden der Bremer Tageszeitungen AG, Kurt Müller (1948–1998). Er kämpfte als Ortsvereinsvorsitzender der IG Medien Bremen, Mitglied im Landesbezirksvorstand Niedersachsen-Bremen und im DGB-Kreisvorstand Bremen für mehr Mitbestimmung in den Betrieben und für eine gerechtere Welt.

Band 3 – November 2009
»Blüten« aus dem KZ
Florian Osuch: Die Falschgeldaktion »Operation Bernhard« im Konzentrationslager Sachsenhausen

Die Publikationen können bezogen werden über:

Karl-Richter-Verein, Dudenstr. 10, 10965 Berlin
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